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GROB setzt auf automatische Lagerlösung von viastore

Montage-Versorgung deutlich verbessert

09.02.2015

Automatische Lagerlösung für Montageplätze bei GROB
Der Maschinenbauer GROB in Mindelheim stellte die Versorgung seiner Montageplätze komplett vom Prinzip „Mann-zur-Ware“ auf eine automatische Lagerlösung um. Die Montage-Versorgung ist deutlich verbessert, die Prozesse sind einfacher, transparenter, schneller. Bild: viastore

Für den Maschinenbauer GROB war es eine logistische Grundsatzentscheidung: Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Mindelheim stellte die Versorgung seiner Montageplätze komplett vom Prinzip „Mann-zur-Ware“ auf eine automatische Lagerlösung um. Projektpartner war die viastore SYSTEMS GmbH. Die Stuttgarter Spezialisten für schlüsselfertige Intralogistikanlagen und Software realisierten dafür ein automatisches Kleinteile- sowie ein Palettenlager. Der Nutzen hat sich für GROB sofort und spürbar eingestellt: Die Montage-Versorgung ist deutlich verbessert, die Prozesse sind einfacher, transparenter, schneller.

Seit nahezu 40 Jahren ist Mindelheim Stammsitz der GROB-Werke GmbH & Co. KG. Mit mehr als 113.000 Quadratmetern Produktionsfläche und über 3.000 Mitarbeitern ist das Mindelheimer Werk der größte Standort der Gruppe. Das Familienunternehmen ist Anbieter von kundenspezifischen Gesamtlösungen in der Großserienfertigung: individualisierte Fertigungsanlagen, bestehend aus modular aufgebauten Bearbeitungszentren und Sondermaschinen, die durch moderne Automatisierungs-Lösungen verkettet sind. Dazu gehören Zerspanungsanlagen für die Automobilindustrie, Montageanlagen im Bereich Powertrain aber auch Universal-Bearbeitungszentren für Zulieferer, für die Bereiche Medizintechnik, Werkzeug und Formenbau, Aerospace sowie für den allgemeinen Maschinenbau. Die Fertigungstiefe bei GROB ist sehr hoch. Auch Planung, Engineering, Ausführung, Implementierung und betriebsfertige Übergabe führt das Unternehmen im Haus durch. Dafür stehen hochqualifizierte Entwickler und Ingenieure in der Konstruktion sowie sehr gut ausgebildete Techniker in der Inbetriebnahme zur Verfügung. Weltweit beschäftigt die GROB-Gruppe 4.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet eine Leistung von 950 Millionen Euro im Jahr 2013.

Der hohe Qualitätsanspruch und die stete Innovation haben sich bei GROB sehr positiv ausgewirkt. In den vergangenen Jahren hat der Anlagenbauer seine Produktion um mehr als 35 Prozent erweitert und rund 700 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Einhergehend mit dem unternehmerischen Erfolg sind aber auch die Anforderungen an einen effizienten Materialfluss zur Versorgung der Montagearbeitsplätze gestiegen. „Die Lagerkapazität am Standort war nicht mehr ausreichend. Wir mussten auf Außenlager ausweichen, die wir nach dem klassischen Mensch-zur-Ware-Prinzip betrieben haben“, schildert Christian Lisiecki, Bereichsleiter Logistik. „Unsere Mitarbeiter haben die Waren nach Papierlisten manuell auf Paletten oder in Palettenboxen zusammengestellt und dann mit dem Stapler in die Montage geliefert.“ Die Lagerkapazitäten waren im Lauf der Zeit erschöpft. Zudem waren der Warenfluss und die Bestände nicht immer transparent. „Wenn der Nachtschicht an einem Montageplatz etwas gefehlt hat, gingen die Kollegen einfach ins Lager und haben es sich geholt“, beschreibt Lisiecki.

Eine Vergabe der Logistik an einen Dienstleister kam wegen der hohen Komplexität der Montageprozesse und der Materialbereitstellung nicht in Frage. Mit dem Ziel, die diversen Außenlager wieder zurückzuholen, gab die Unternehmensleitung vor zwei Jahren grünes Licht für eine neue Logistikhalle. Mit diesem Projekt hat GROB auch das Lagerkonzept auf ein System mit geplanter Ware-zu-Person-Kommissionierung umgestellt. Die Waren befinden sich auf Paletten, in Palettenboxen und in unterschiedlich großen Behältern. „Diese verschiedenen Ladungsträger sind notwendig, weil wir kleinste Teile mit wenigen Millimetern Größe ebenso einlagern müssen wie sperrige Maschinenkomponenten, die bis zu einer Tonne schwer sind“, sagt Lisiecki. Eine besondere Herausforderung: Bei GROB gibt es 1,9 Millionen Materialstämme – und jeden Tag kommen rund 500 hinzu. Also machten sich die Logistiker von GROB auf die Suche nach einem kompetenten Partner, um diese logistische Herausforderung in sehr engem Zeitrahmen zu meistern.

Von ursprünglich 15 angefragten möglichen Anbietern blieben nach ersten Gesprächen noch drei übrig, viastore machte das Rennen. „Uns hat die hohe System- und Softwarekompetenz von viastore überzeugt. Es ist nicht leicht, einen Partner zu finden, dessen Software sich nahtlos an SAP anbinden lässt. Das war für uns sehr wichtig“, hebt Lisiecki hervor. viastore sicherte die Einhaltung des Terminplans vertraglich zu – und hielt Wort: Im Frühling wurde der Vertrag unterzeichnet, neun Monate später war die Anlage produktiv.

viastore realisierte bei GROB ein viergassiges automatisches Kleinteilelager (AKL) mit  2-/4-fach tiefer Lagerung und ein siebengassiges, einfach tiefes automatisches Palettenlager. Im Kleinteilelager mit 65,5 Metern Länge, 8,4 Metern Breite und 8,8 Metern Höhe verfahren vier Hochleistungs-Regalbediengeräte (RBG) vom Typ viaspeed. 26.288 Stellplätze stehen zur Verfügung, pro Stunde können 580 Behälter ein- und ausgelagert werden. Das Lager verfügt über vier Kommissionierplätze und ist auf einer Bühne mit einem Aus-/Einlagerplatz an ein manuelles Lager angebunden. Das Besondere an diesem AKL: Die Lastaufnahmemittel des viaspeed können situationsbezogen entweder zwei Behälter mit einer Grundfläche von 600 x 400 Millimetern handhaben, vier Behälter der Grundfläche 300 x 400 Millimeter – oder einen 600 x 400 und zwei 300 x 400 große Behälter. Der Nutzen für GROB: Deutlich höhere Flexibilität bei der Lagerung von kleinen Teilen, deutliche höhere Platzausnutzung. Jeder Behälter kann eine Last von 30 bzw. 15 Kilogramm aufnehmen.

Eine ebenfalls clevere Idee der Stuttgarter Intralogistik-Experten: Sie haben das AKL räumlich in zwei Hälften aufgeteilt. „Das hat den Vorteil, dass wir mit nur einer fördertechnischen Anbindung beide Seiten bedienen können“, beschreibt Peter Päusch, der das Planungs- und Vertriebsbüro Süd von viastore leitet. Am Ende des Lagersystems sind in der neuen Logistikhalle Pufferzonen entstanden. Bei Bedarf lässt sich die Anlage somit problemlos verlängern, ohne dass zusätzliche Fördertechnik erforderlich ist.

Das automatische Palettenlager mit vier Kommissionierplätzen und sieben Regalbediengeräten vom Typ viapal ist 76,6 Meter lang, 30,4 Meter breit und 8,5 Meter hoch. Die Lagerung erfolgt einfach tief, es stehen 8.772 Stellplätze mit einer maximalen Traglast von einer Tonne pro Palette zur Verfügung. Im Vollbetrieb leisten die Regalbediengeräte 280 Ein- und Auslagerungen pro Stunde. GROB lagerte auch hier chaotisch und nach dem Prinzip „First In – First Out“. 5.000 bis 6.000 Teile kommissionieren die GROB-Mitarbeiter jeden Tag aus den Automatik-Lagern.

Ein Kamerasystem von Vitronic erfasst den Füllgrad eines jeden Ladungsträgers. „Erstens erhalten wir dadurch wertvolle Kennzahlen, zweitens können unsere Mitarbeiter so gezielt leere Behälter entnehmen und entsprechend Teile zulagern. Das trägt dazu bei, den Füllgrad von Behälter und Lager zu optimieren“, sagt Lisiecki. Die Bilder werden im Datensystem abgelegt. Im Bedarfsfall dienen sie der Kontrolle von Fehlteilen oder dem Nachweis von Fehlbelegungen.

Zum Management und zur Steuerung der Anlage setzt GROB SAP in Verbindung mit dem Warehouse Management System viadatCLM von viastore SYSTEMS ein. CLM steht für „Container Location Management“ und ist Teil der viadatWMS-Suite, die sämtliche Funktionalitäten in einem automatischen oder manuellen Lager und Distributionszentrum anbietet. viadatCLM ist an SAP gekoppelt und konzentriert sich in diesem Anwendungsfall auf die Vergabe und die Verwaltung von Lagerplätzen. Darüber hinaus regelt es die Fahrstrategien für die Ladeeinheiten im Automatikteil des Logistikzentrums.

Vorgabe von GROB war, dass SAP das führende System ist, auch im Lager. Die Bediener sollten mit dem SAP-Frontend arbeiten, damit sich ein System durch alle Arbeitsbereiche des Unternehmens durchzieht. „Wir haben sehr spezifische Zusatzinformationen, die wir unseren Mitarbeiter anzeigen wollen, um Fehler zu vermeiden“, sagt Lisiecki. Dennoch wollte GROB wichtige Funktionen von viadat übernehmen. viadat ist eine Lagersoftware, die dank ihres modularen Aufbaus an sämtliche Anforderungen angepasst werden kann. „Die Hoheit über die Platzvergabe liegt bei viadat. Das System weiß, wo welche Ware liegt“, sagt Lisiecki und ergänzt: „Die Logik der Verteilungen weiß viadat besser zu nutzen als SAP.“

Die Kombination aus SAP, viadat und Systemlösungen von viastore bezeichnet Lisiecki als „sehr gute Lösung, die einerseits unsere SAP-Vorstellungen umsetzt und andererseits die Stärken der viastore-Lösungen nutzt.“ Die Software ermöglicht es dem Logistik-Chef, sich die gewünschten Kennzahlen per Dashboard individuell und flexibel zusammenzustellen.

Für GROB hat sich das automatische Lager ausgezahlt. Die Anlage läuft von Beginn an problemlos, und der Füllgrad im Palettenregal liegt wenige Wochen nach dem Hochlauf bereits bei 81 Prozent, im Behälterregal bei 46 Prozent. „Durch die Automatik-Lösung von viastore können wir unsere Prozesse weiter verbessern. Die Kommissionierqualität ist sehr gut und die Umschlagsgeschwindigkeit deutlich höher als vorher“, beschreibt Lisiecki. GROB braucht höchste Anlagenverfügbarkeit, um die Montage prozesssicher zu versorgen. „Die haben wir erhalten. Die Anlage läuft vom ersten Moment an störungsfrei.“ Auch die Packungsdichte habe sich um ein Vielfaches erhöht.

Der „komplette Wechsel des Systems“ mache weitere Optimierungen möglich. Noch fahre die Anlage nicht mit maximaler Geschwindigkeit, die Leistungsfähigkeit sei noch nicht ausgeschöpft. „Es gibt genügend Konzeptideen, die wir im Lauf der Zeit umsetzen möchten“, sagt Christian Lisiecki. Für den Logistik-Fachmann hat sich die Erfassung relevanter Lagerdaten und deren Analyse deutlich verbessert. „Wir können heute ganz neue Methoden anwenden.“ Der innerbetriebliche Materialfluss lasse sich durch die viastore-Lösung besser strukturieren. Schon nach kurzer Betriebszeit zeichne sich weiterer Bedarf ab. „Wir benötigen zusätzliche Kommissionierplätze“, sagt Lisiecki und fügt mit Blick auf Peter Päusch von viastore hinzu: „Da brauchen wir ein Angebot.“

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