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viastore sichert Wettbewerbsvorteile durch Retrofit

Die Lieferfähigkeit ist marktbestimmend

20.12.2018

In der ersten Retrofit-Phase modernisierten die viastore-Spezialisten fünf Regalbediengeräte, in der zweiten Phase werden neun weitere mit aktueller Technik ausgerüstet.
In der ersten Retrofit-Phase modernisierten die viastore-Spezialisten fünf Regalbediengeräte, in der zweiten Phase werden neun weitere mit aktueller Technik ausgerüstet.

Veraltete Technik drohte, die Logistikprozesse bei KTR zum Stoppen zu bringen – und damit das gesamte Geschäft des Spezialisten für Antriebstechnik. Im laufenden Betrieb und nahezu ohne Ausfallzeiten modernisierte viastore Gasse für Gasse des automatischen Paletten- und Behälterlagers.

„Wir sind existenziell darauf angewiesen, dass unsere Logistikprozesse funktionieren“, erklärt Olaf Korbanek, Leiter IT und Organisation bei KTR Systems. „Das Logistikzentrum muss laufen!“ KTR mit Stammsitz in Rheine fertigt Antriebstechnik für industrielle Anwendungen und ist vor allem für Kupplungen der unterschiedlichsten Baugrößen bekannt. Kunden sind Landwirte von nebenan bis zu internationalen Großkonzernen – und alle erhalten ihre Lösungen aus dem Lager in Rheine. Aber das Logistikzentrum leistet noch viel mehr: Es versorgt die Produktion mit Halbfertigzeugen – nicht nur am eigenen Standort, wie Benedikt Bußmann, Leiter Logistik bei KTR, erläutert: „Wir haben einen Eigenfertigungsanteil von rund 22 Prozent. Der größere Anteil unserer Kupplungen wird von Produktionsbetrieben in der Umgebung gefertigt.“ Damit nicht genug – von Rheine aus werden auch die 23 Tochtergesellschaften und über 90 Vertriebspartner mit Fertigprodukten beliefert.

Marktanteile gewinnen mit leistungsfähiger Logistik

Um all diese Empfänger sicher und schnell beliefern zu können, wurde 2004 ein hochmodernes Logistikzentrum gebaut. viastore, Stuttgarter Spezialist für schlüsselfertige Intralogistiksysteme, installierte damals ein viergassiges automatisches Behälterlager sowie ein zweigassiges automatisches Palettenlager inklusive Palettenfördertechnik, Warehouse Management Software und Visualisierung. Die Geschäfte von KTR liefen in den Folgejahren so gut, dass das Lager kontinuierlich ausgebaut wurde: Bis 2015 bestand es aus sieben Gassen im automatischen Kleinteilelager und sieben Gassen im Palettenlager.

„Die Lieferfähigkeit ist gerade in der jetzigen überaus guten Konjunkturlage entscheidend und marktbestimmend“, betont Olaf Korbanek noch einmal die wichtige Aufgabe des Lagers. „Heute gewinnt nicht derjenige mit dem niedrigsten Preis ein Geschäft, sondern der, der liefern kann. Einige Mitbewerber haben zurzeit massiv Schwierigkeiten, der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Weil wir liefern können, haben wir die Chance, Marktanteile hinzuzugewinnen.“

Drohender Stillstand aufgrund abgekündigter Technik

Alles schien soweit gut für KTR, das Unternehmen war mit dem Logistikzentrum bestens aufgestellt. Doch 2015 fielen Olaf Korbanek und Benedikt Bußmann aus allen Wolken: „Damals wollten wir den Materialflussrechner von Windows XP auf ein aktuelles Betriebssystem updaten. Für viastore war das kein Problem – allerdings erklärte man uns, dass wir eine viel größere Herausforderung bei den Frequenzumrichtern hätten.“ Denn die waren zwischenzeitlich veraltet, Ersatzgeräte gab es so gut wie keine mehr auf dem Markt. „Wir hatten damals nur einen Wartungsunterstützungsvertrag, der aber keine Ersatzgeräte umfasste. Uns wurde wortwörtlich gesagt, wenn bei uns der Blitz einschlagen würde, könnte Hilfe nicht garantiert werden. Und damals gab es bei uns viele Gewitter“, erinnert sich Korbanek. Dabei waren nicht nur die Frequenzumrichter veraltet, auch die Bustechnik war inzwischen abgekündigt: „Früher hatte man auf Interbus gesetzt, doch das wurde mittlerweile von dem schnelleren Profinet verdrängt“, schildert Frank Hemme, der bei KTR für die Instandhaltung und Gebäudetechnik zuständig ist. Am Interbus hingen weitere Systeme des Lagers, wie Hemme ausführt: „Die Distanzmessgeräte der Regalbediengeräte genauso wie der Visualisierungs-PC waren an Interbus angebunden – und damit auch nicht mehr verfügbar. Wir hätten also bei dem Ausfall einer dieser Komponenten in ein ziemliches Loch fallen können.“

Umfassendes Retrofit der Regalbediengeräte

Als erste Maßnahme hat sich KTR den Zugriff auf die letzten 25 bei viastore gelagerten Frequenzumrichter des verbauten Typs gesichert. „Danach haben wir sehr schnell ein Retrofit-Projekt für das Logistikzentrum konzipiert, freigegeben und umgesetzt“, sagt Korbanek. Für das Retrofit mussten die Lagergassen zeitweise stillgelegt werden, doch die Auslastung des Lagers war dafür zu hoch. Deshalb entschied sich KTR, das Behälterlager um drei Gassen zu erweitern – in Summe stehen heute 88.000 Behälter- und rund 9.000 Palettenstellplätze zur Verfügung. „Mit diesen zusätzlichen Kapazitäten konnten wir spielen; sie waren Voraussetzung für das Stilllegen einzelner Gassen und damit für die Modernisierung der Anlage“, erklärt Bußmann.

Das gesamte Retrofit-Projekt umfasste bei den Regalbediengeräten (RBG) den Austausch der Frequenzumrichter, der Distanzmessgeräte, der Datenlichtschranken, des gesamten Bussystems sowie der Kabelketten. Zudem ersetzte viastore die mitfahrenden Schaltschränke der RBG. Auch den Steuerungsrechner wechselten sie aus. Dazu bildeten die Retrofit-Experten von viastore mit den Instandhaltern von KTR ein Team, das sehr effizient arbeitete. „Ursprünglich hatten wir für die Modernisierung einer Gasse eine Woche Arbeit veranschlagt“, legt Hemme dar. „Aber viastore konnte eine modernisierte Gasse bereits nach vier Tagen übergeben.“

Modernisierung Gasse für Gasse

Dabei ging das Retrofit-Team Gasse für Gasse vor – wobei auch das nicht so einfach war, wie Frank Hemme weiß: „In der Regel versorgt ein Steuerungs-Schaltschrank zwei bis drei Regalbediengeräte. Diese Schaltschränke mussten natürlich auch erneuert werden.“ Benedikt Bußmann ergänzt: „Aus logistischer und kaufmännischer Sicht konnten wir aber nicht mehr als eine Gasse gleichzeitig außer Betrieb nehmen.“ Die Lösung war ein fliegender Aufbau: Der alte Steuerungsrechner wurde ausgebaut, auf einen Tisch neben den Schaltschrank gestellt und wieder angeschlossen. Auf diese Weise konnten weiterhin alle Gassen gesteuert werden – außer einer: Sie wurde außer Betrieb genommen, modernisiert und an den inzwischen neu aufgebauten Schaltschrank angeschlossen.

Neben den Regalbediengeräten modernisierten die viastore-Experten den Querverfahrwagen. Er verbindet die Auslagerungsgassen des Palettenlagers mit den Kommissionierplätzen. Auch er war mit einem abgekündigten Frequenzumrichter ausgestattet.

Höhere Energieeffizienz als Nebeneffekt

Das Retrofit sichert nicht nur die Verfügbarkeit des Lagers, sondern bringt weitere Vorteile mit sich. „Mit den neuen Frequenzumrichtern können wir jetzt die Bremsenergie der RBG rückspeisen“, nennt Hemme ein Beispiel. „Theoretisch kann man damit bis zu 20 Prozent Energie einsparen – wie groß unsere Ersparnis tatsächlich ist, kann ich erst sagen, wenn alle RBG modernisiert sind.“ Im ersten Retrofit-Projekt wurden fünf RBG modernisiert, die restlichen werden demnächst mit neuster Technik ausgerüstet.

Modernisierung verbessert Arbeitssicherheit

Anhand der aktuellen Anlagen-Visualisierung, die unter dem Warehouse Management System viadat läuft, verbesserten die Intralogistik-Profis neben der Energieeffizienz die Möglichkeiten der Fehlererkennung und -lokalisierung. „Durch die moderne Visualisierung können unsere Mitarbeiter Fehler deutlich schneller erkennen“, erläutert Hemme. „Mit den neuen Industrie-PCs und neuen Handterminals ist man im Servicefall zudem einfach schneller. Viele Fehler können vom Schaltschrank aus behoben werden.“ Davon profitiert auch der Arbeitsschutz, wie Niklas Muckermann, Sales Manager Retrofit bei viastore, betont: „Früher mussten die Instandhalter bei Fehlern häufig in die Gasse klettern und das RBG mit dem Handheld steuern. Heute ist das nicht mehr so häufig erforderlich – alleine dadurch wird ihre Arbeit deutlich sicherer.“ Außerdem garantiert die neue, auf den Industrie-PC installierte Soft-SPS S7, dass die neusten Normen und Anforderungen bezüglich Sicherheitsfunktionen erfüllt werden. „Damit sind viele Gefahren minimiert – Fehlbedienungen oder überhöhte Geschwindigkeit zum Beispiel“, meint Frank Hemme.

„Die Umsetzung des Retrofits war außerordentlich gut“, lautet das Fazit von Olaf Korbanek. „Wir hatten kaum nennenswerte Ausfälle.“ Zurzeit bereitet das KTR-Instandhaltungs-Team bereits die Modernisierung der letzten RBG mit veralteter Technik vor, wie Bußmann berichtet: „Wir verteilen Schnell- und Normaldreher aus den zu modernisierenden Gassen in andere Bereiche, um Zugriffssicherheit zu haben. Dadurch können wir immer zwei Gassen gleichzeitig modernisieren.“ Wer sich fragt, wie KTR bis zum Start der nächsten Retrofit-Phase die Ausfallsicherheit der Geräte mit alter Technik sicherstellt: Frank Hemme und sein Team haben die alten Frequenzumrichter der RBG aus der ersten Retrofit-Phase eingelagert.

Neuer Wartungsvertrag auf KTR zugeschnitten

Seitens viastore wird das gleiche Team zum Einsatz kommen – ein wichtiger Aspekt für Benedikt Bußmann: „Es ist für uns von enormer Bedeutung, intern wie extern auf das gleiche starke Team zurückgreifen zu können. Denn es ist einfach wichtig, ein gutes Miteinander zu haben. Bei viastore haben wir Ansprechpartner, mit denen wir offen und ehrlich reden können.“ Ein Ergebnis dieser offenen Kommunikation ist auch ein neuer, umfassenderer Wartungsvertrag: „Noch bevor das Retrofit begann, haben wir mit viastore den Wartungsvertrag vereinbart“, beschreibt Olaf Korbanek. „Wir haben dabei über Reaktionszeiten und -fenster nachgedacht und die Servicezeiten – im Gegensatz zu früher – an unsere Betriebszeiten angepasst.“ Heute steht die Hotline von 6 bis 20 Uhr zur Verfügung, auch jeden Samstag. „Der Samstag ist für uns ein Ausweichtag, wenn viel zu tun ist. Auf diese Weise können wir ganz flexibel agieren“, ergänzt Bußmann. Ein ganz wichtiger Tipp, den Olaf Korbanek gerne weiter gibt: „Bei einem Wartungsvertrag sollte man ganz genau überlegen, wann man wirklich Unterstützung braucht – das heißt Betriebslaufzeiten abklären, Leistungsumfang definieren und eine kontinuierliche, wertschätzende Kommunikation zum Partner aufrechterhalten!“

Haben gemeinsam die Verfügbarkeit des Logistikzentrums gesichert (von rechts): Frank Hemme, Benedikt Bußmann, Olaf Korbanek und Niklas Muckermann (viastore, hinten).
Haben gemeinsam die Verfügbarkeit des Logistikzentrums gesichert (von rechts): Frank Hemme, Benedikt Bußmann, Olaf Korbanek und Niklas Muckermann (viastore, hinten).